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Das Tier 2

(Rupert Moser)
Das Tier (2)

"NEIN! Ich will jetzt nicht mehr!" schrei ich,
Als ich aus dem Schlaf geschreckt.
Schließ' die Augen wieder, den zu
Finden, der mich aufgeweckt.

"Ein für allemal werd' ich dem
Treiben jetzt ein End' bereiten.
Werde mich ihm offen stell'n! Hab'
Keine Angst mehr, mich zu streiten!"

Und von Lärm begleitet sink' ich
Weiter in den Schlaf hinab,
Bis ich dort zurückgekehrt, wo
Ich mich erst entrissen hab':

Vom Gewölbe, durch das Beben,
Fallen Steine runter. Mir
Dringt ins Ohr das rasselnd' Schnaufen,
Denn das Tier ist wieder hier.

Viel zu dunkel ist es! Kann die
Hand vor Augen fast nicht seh'n!
Und ich konzentrier' mich, um das
Rad der Zeit voran zu dreh'n.

Jetzt wird's lichter. Sonnenstrahlen
Dringen in die Höhle ein.
Und jetzt stampft das Tier davon, ver-
scheucht vom grellen Sonnenschein.

Ich geh' vor die Höhle, seh' ihm
Hinterher wie es entrinnt.
Träume weiter jenen Traum, zu
Träumen jeder nicht bestimmt.

Allzu klar wird dieser Traum jetzt,
Und der Nebel löst sich auf.
"Renn' nur!" schrei ich jener Bestie
Hinterher. "Ja! Lauf' nur! Lauf'!"

Und ich setz' mich in Bewegung.
Langsam erst, doch schneller dann.
Der Gejagte wird zum Jäger,
Dem es nicht entkommen kann.

Und ich schreite auf dem Pfade,
Der den Hügel runterführt.
Dort entlang, wo noch vor Kurzem
Mich die Bestie aufgerührt.

Und anhand der Fußabdrücke,
Die sich zentimetertief
In den Boden gruben, weiß ich,
Wohin diese Bestie lief.

Ungeduld regt sich in mir. Ich
Kann es kaum erwarten, jenem
Unding aus der Hölle seinen
Kopf vom Leib zu trennen.

Und ich schreite schneller! Und ich
Laufe! Endlich renne ich!
Bin jetzt fest entschlossen, rufe:
"S'ist vorbei! Jetzt töt' ich dich!"

Und ich hör' das Stampfen wieder!
Näher kommt es, mehr und mehr!
Diesmal aber nicht zu mir im
Rücken! Vor mir läuft es her!

Und das Schnaufen wird zum Keuchen.
Aus der Blutgier da wird Angst.
Ich komm' immer näher heran.
"Du tust recht, wenn du jetzt bangst!"

Und ich renne -- Wie ich renne! --
Durch die Schneise, die für mich
War als Falle angelegt. Doch
Wie die Zeiten ändern sich!

Und die roten Augen auf des
Pfades Seiten: Ohne Glut
Haben sie sich jetzt verschlossen --
Ängstlich, wegen meiner Wut.

Wie ich renne! Etwas schneller,
Und ich flöge durch die Luft!
Jag' zurück das Untier weiter,
G'radewegs in seine Gruft.

Und ich renne auf dem Ufer
Eines Sees, der wasserlos.
Abertausend tote Augen!
Meine Wut war viel zu groß!

Und am Horizonte seh' ich
Jene Bestie fliehen jetzt,
Welche von mir unnachgiebig
In den Tode wird gehetzt.

Und die Jagd ist bald zu Ende,
Als das Tier läuft in den Wald.
Will sich damit retten, doch sein
Ende soll schon kommen bald!

Und ich folge seinen Wegen,
Biege in den Wald hinein.
Und zu meiner Überraschung
Seh' ich viere dort vereint.

Sie steh'n dort zusammen neben
Einer tiefen, breiten Kluft,
Die den Wald inmitten teilt. 'Ne
Brücke hängt dort in der Luft.

Auf die Bestien geh' ich zu und
Hab' das Ende schon im Sinn.
Werd' jetzt alle viere töten,
Damit ich endlich frei bin!

Einen Säbel wünsch' ich mir her-
bei und hab' ihn auch sogleich.
Und ich sprech': "Jetzt ist es aus, ver-
damm' ich euch aus diesem Reich!"

Und die Bestien, wie versteinert,
Rühr'n sich nicht. Ich hole aus
Mit dem Säbel, zuzuschlagen.
"Bestien! Jetzt geht ihr nach Haus!"

Doch in diesem Augenblicke
Halt ich inne. "Darf ich das?
Wut um Wut? Und Zorn um Zorn? Be-
dingt denn Hass nicht wieder Hass?"

Und ich senk' den Säbel nieder,
Geh' über die Hängebrücke,
Schlage durch die Seile während
Ich noch mal hinüberblicke.


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15.1.09 09:45

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